
Der letzte Tag
Das neue Jahr hat vor ein paar Tagen begonnen. Das heißt: Es sind immer noch Ferien. Ok, nur noch heute, und ein bisschen Unterrichtsvorbereitung steht auch noch an — und nebenbei das orthodoxe Weihnachtsfest. Aber trotzdem: Ferien (andere mögen sagen: Urlaub), oh wie geil! Für Schüler: endlich ein paar Wochen lang nichts lernen, keine Hausaufgaben. Für Berufstätige: nicht jeden Tag zur Arbeit fahren, Freizeit, ausschlafen – oder das machen, wofür man sonst keine Zeit hat, meinetwegen endlich mal die Küche tiefenreinigen …
Für Lehrer sind Ferien jedenfalls die letzte Rettung. Die Wochen mit lernenden Menschen, deren Problemen – und auch Freuden –, rauben Energie, das geht so weit, dass sie sich alle Krankheiten, die sie während der Unterrichtswochen hätten bekommen können, quasi aufsparen und am ersten Ferientag dann im Bett liegen. Hat man das Glück, nicht krank zu werden, kann man den Unterricht und die ganze Arbeit darum herum einfach mal vergessen und ein bisschen über die beiden Parteien in dem Kurs nachdenken.
- Die Integrationskurs-Teilnehmenden: Sie sind, wenn auch erwachsen, ganz normale Schüler: froh um jeden Tag, an dem sie keine Hausaufgaben bekommen oder frei haben. Sie kommen zu spät, betrügen beim Test mit dem Smartphone unter dem Tisch (hätte ich ihnen bloß nicht Schreiben beigebracht …), sie lesen die Texte per Google Translate in ihrer Muttersprache (diejenigen, die es können) und lernen dabei: nix.
- Die Lehrkräfte: froh um jeden Tag, an dem sie vergessen, die Hausaufgaben per WhatsApp zu verschicken, oder frei haben. Sie kommen zu spät, gucken beim Test unter den Tisch, um die Teilnehmer mit dem Smartphone zu erwischen (und denken: „Hätte ich ihnen bloß nicht Schreiben beigebracht …“), sie ermahnen die Teilnehmer (diejenigen, die es könnten), die Texte nicht per Google Translate in ihrer Muttersprache zu lesen, weil sie sonst nix lernen, und regen sich dabei auch noch auf.
Aber: Menschen sind eben so. Egal, ob Arbeit oder Schule, man möchte so wenig wie möglich tun und dabei erfolgreich sein und am Ende noch Geld verdienen.
Und dann kommt wieder der Lehrerinnen-Blick: Man muss wirklich einsehen, dass es für die Geflüchteten nicht einfach ist, sich 25 Stunden pro Woche mit der deutschen Sprache auseinanderzusetzen. Irgendwann ist der Kopf voll und sie brauchen Ruhe, um zu wiederholen oder das Neue sacken zu lassen. Nur eben nicht zu lange, sonst ist alles weg.
Fazit: 19 Tage frei waren mehr als genug.

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