Zu Beginn: Mein Kurs

Auf dem Weg …

Ich unterrichte momentan einen Alphabetisierungskurs. Der Kurs läuft seit Mitte Februar 2025, wir haben inzwischen über die Hälfte geschafft.

Der Alphabetisierungskurs ist eigentlich ein „Integrationskurs mit Alphabetisierung“: Das heißt, meine Teilnehmerinnen konnten vor Kursbeginn nicht ausreichend lesen und schreiben, sodass sie nicht in einen allgemeinen Integrationskurs eingestuft wurden (das BAMF finanziert unterschiedliche Kursarten, je nach Bedarf und Können der Teilnehmenden). 

Die Gruppe besteht aus 12 Frauen aus Afghanistan, Aserbaidschan, der Elfenbeinküste, Somalia, Syrien und der Ukraine, im Alter zwischen 20 und 57 Jahren. Manche von ihnen haben nie eine Schule besucht, andere ein paar Jahre lang, eine Teilnehmerin hat sogar zwei Jahre in Afghanistan studiert (warum ist sie bei mir? Egal, Irrtümer kommen vor). Und jetzt, im schönen Deutschland, müssen sie sich nicht nur integrieren und die deutsche Sprache lernen, sondern dazu das, was fast alle hierzulande können: Lesen und Schreiben.

Nun, nach 750 von 1200 Stunden, können es alle Teilnehmerinnen, wenngleich manche noch recht langsam. Nein, stimmt nicht, eine Teilnehmerin kann es immer noch nicht. Mitte vierzig, aus Somalia, neun Kinder hat sie. Sie hält den Stift schön, aber es kommt nichts heraus als krakelige Buchstaben: Sohro. Eigentlich heißt sie Sahra. Gut, mit diesen Misserfolgen muss man als Lehrer auch rechnen. Ansonsten läuft es eigentlich gut.

Ziel des Kurses ist der Deutschtest für Zuwanderer (DTZ), der im besten Fall mit dem Niveau B1 abgeschlossen wird. Allerdings gilt diese Anforderung für den Alpha-Kurs nicht, hier wird das Niveau A2 angestrebt, also ein Niveau tiefer. Das liegt daran, dass man realistischerweise nicht davon ausgehen kann, dass die Menschen, die vor allem am Anfang nur mündlich lernen, so gut werden wie Teilnehmende, die vorher schon alphabetisiert waren, obwohl sie die doppelte Stundenanzahl bekommen. Sie werden vielleicht nie so flüssig lesen oder schnell schreiben können, wie Personen, die es als Kind in der Schule gelernt und vielleicht sogar einen Universitätsabschluss haben.


Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert